Am Montag, dem 11. Mai, gegen 11 Uhr, unmittelbar nachdem die Besatzung des Rettungsschiffes Sea-Watch 5 etwa 90 Menschen aus Seenot gerettet hatte, begann ein Patrouillenboot der sogenannten libyschen Küstenwache mit scharfer Munition auf das Schiff zu feuern und versuchte, es nach Libyen zu entführen.
Am Abend des 21. Aprils fand die NADIR, das Beobachtungsschiff der deutschen NGO RESQSHIP, 47 Personen, die auf einer Ölplattform festsaßen. Die Menschen waren etwa 10 Stunden zuvor auf der verlassenen Ölpattform Didon in der libyschen Such- und Rettungszone gestrandet. Noch während die Crew die Evakuierung vorbereitete, traf ein Schnellboot der sogenannten libyschen Küstenwache ein. In den letzten Monaten haben sich zivile Rettungsakteure wiederholt in Situationen gewaltvoller Konfrontationen mit den Milizen wiedergefunden. Glücklicherweise konnte die Evakuierung von der Ölplattform zur NADIR ungehindert und sicher stattfinden.
Mehrfach fanden in den letzten Wochen und Monaten Evakuierungen von Flüchtenden statt, die auf verlassenen oder aktiven Ölplattformen im Mittelmeer gestrandet waren.
»Es ist unerträglich zu wissen, dass Personen – darunter viele Kinder und Schwangere – stundenlang auf einem solchen Gerüst ausharren. Auf diesen Plattformen sind sie schutzlos Wind und Wetter ausgesetzt. Sie klammern sich an die bloße Hoffnung, gefunden zu werden. Und das nur, weil die EU sie nicht einreisen lässt!«
Francesca Renon, Ärztin an Bord der NADIR
Kurz nach Abschluss der Evakuation erhielt die NADIR einen Notruf von der zivilen Hotline Alarm Phone über einen weiteren Seenotfall in tunesischen Gewässern. In Absprache mit den zuständigen tunesischen Behörden, konnte die NADIR um vier Uhr morgens die Menschen in Seenot auf einem kleinen Holzboot finden. Während die Crew die Evakuierung der 24 Menschen vorbereitete, näherte sich unvermittelt ein weiteres Boot – auch dieses seeuntauglich. Die Crew der NADIR nahm auch diese weiteren 19 Personen an Bord
»Momentan liegen die meisten zivilen Rettungsschiffe festgesetzt in italienischen Häfen. Gleichzeitig erleben wir den tödlichsten Jahresauftakt seit Beginn der Aufzeichnungen. Dass wir heute Nacht in drei Einsätzen hintereinander Unterstützung leisten mussten, verdeutlicht umso mehr, wie dringend unsere Arbeit auf der Fluchtroute gebraucht wird.«
Lina von Dobschütz, Vorstandsmitglied von RESQSHIP
Mit 90 Personen an Bord machte sich die Crew NADIR in den frühen Morgenstunden auf den direkten Weg nach Lampedusa, dem zugewiesenen sicheren Hafen. Am frühen Abend konnten dort alle Überlebenden sicher an Land gehen – darunter eine Schwangere, mehrere Minderjährige, zwei Kleinkinder und ein Baby.
Die See war ruhig vor der Kollision in der Nacht des 3. Februar. Der Mond war gerade zum Vollmond geworden, und ein kleines Schlauchboot mit fast 40 Personen näherte sich der Küste der griechischen Insel Chios.
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